Über den RheumaPreis

RheumaPreis 2018

Preis für Menschen mit Rheuma im Beruf geht an Klinikum Schloß Winnenden, Landratsamt Böblingen und das Sport- und Gesundheitsstudio inBalance

Sie sind ein Vorbild für die gelungene Integration von chronisch kranken Menschen im Berufsleben: An zwei Arbeitnehmerinnen, ihre Arbeitgeber und eine Selbständige wurde in Mannheim am 21. September der RheumaPreis 2018 verliehen. Die Initiative RheumaPreis würdigt mit dieser Auszeichnung vorbildliche Lösungen für Menschen mit Rheuma im Berufsleben.

In Deutschland sind rund 1,5 Millionen Menschen von entzündlich-rheumatischen Erkrankungen betroffen. Ein Großteil ist zum Zeitpunkt der Diagnose im erwerbsfähigen Alter. Derzeit geben etwa fünf Prozent der Berufstätigen mit Rheuma im ersten Jahr ihrer Erkrankung und rund 20 Prozent nach drei Jahren ihren Arbeitsplatz auf. Bei frühzeitiger Diagnose, adäquater Behandlung und bedarfsgerechter Unterstützung am Arbeitsplatz könnte die Arbeitsfähigkeit bei vielen rheumaerkrankten Mitarbeitern aber langfristig erhalten werden:

„Mein Motto war und ist es, mich von Rheuma nicht unterkriegen zu lassen“, sagt die Preisträgerin Ines Brodbeck. Seit ihrem fünften Lebensjahr leidet die heute 36-Jährige aus Schönaich an rheumatoider Arthritis. Gemeinsam mit ihrem Arbeitgeber, dem Landratsamt Böblingen, hat die Verwaltungsangestellte in der Rechenstelle des dortigen Sozialamts die Rahmenbedingungen geschaffen, trotz der Erkrankung ihren Beruf ausüben zu können. „Frau Brodbeck verfügt über mehrere Berufsausbildungen – diese Qualifikationen haben ihr den Weg in das Landratsamt geebnet“, sagt Bettina Wagner, Personalamtsleiterin des Landratsamts Böblingen. „Bereits im Vorstellungsgespräch ist sie sehr offen mit ihrer rheumatischen Erkrankung umgegangen und hat von sich aus über mögliche Folgen informiert. Diese Ehrlichkeit und die innere Einstellung von Frau Brodbeck trotz gesundheitlicher Belastung – oder gerade deshalb – weiter leistungsbereit zu sein, hat uns sehr imponiert.“ Mehr zur Preisträgerin Ines Brodbeck und dem Landratsamt Böblingen.

„Die Initiative RheumaPreis will Arbeitgeber für die Chancen sensibilisieren, die in der Beschäftigung von Menschen mit Rheuma liegen und deren Fähigkeiten optimal einsetzen und fördern“, betonte auch die Schirmherrin des RheumaPreises, Donata Apelt Ihling, Vorstandsmitglied der Landesvereinigung Baden-Württembergischer Arbeitgeberverbände e. V., Stuttgart und Gesellschafterin der Alfred Apelt GmbH, Oberkirch: „Daher nehmen wir die Initiative gerne zum Anlass, uns als Arbeitgeber noch stärker für die Belange von Menschen mit chronisch-entzündlichen Krankheiten wie Rheuma einzusetzen.“ Der mit jeweils 3000 Euro dotierte RheumaPreis soll zu mehr Offenheit im Umgang mit der Erkrankung ermutigen und dazu beitragen, dass ein aktives Berufsleben für Menschen mit Rheuma zur Selbstverständlichkeit wird.

Die Diagnose rheumatoide Arthritis zwang Preisträgerin Michaela Frank aus Winnenden im Alter von 40 Jahren, ihren Beruf nochmals völlig neu zu überdenken. Als erstmals Symptome auftraten, arbeitete die gelernte Jugend- und Heimerzieherin in der Krankenhausküche und dem Mitarbeitercasino im Klinikum Schloss Winnenden. Dies war krankheitsbedingt bald nicht mehr möglich. In einem Gespräch mit dem Personalleiter, einer Personalrätin, dem Schwerbehindertenvertreter und einer Mitarbeiterin des Integrationsfachdienstes wurden gemeinsam Ideen für innerbetriebliche Umsetzungsmöglichkeiten besprochen. „Auch über eine Umschulung zur IHK-geprüften Bürokauffrau haben wir damals gesprochen“, erzählt Frank. „Ich selbst hätte mir das mit 40 Jahren nicht mehr zugetraut – meine Vorgesetzten und das Integrationsteam aber schon!“ Heute arbeitet die 50-Jährige nach der erfolgreichen Umschulung zu 70 Prozent als Personalratssekretärin und Mitarbeiterin im Betrieblichen Wiedereingliederungsmanagement (BEM): „Ich fühle mich am jetzigen Arbeitsplatz nicht als krank geduldet, sondern als ganz normaler Mitarbeiter – das war und ist mein Ziel! Meine chronischen Krankheiten sind ein Handicap, aber sie haben mir neue Möglichkeiten eröffnet, mich gefordert und dadurch gefördert.“ Mehr zur Preisträgerin Michaela Frank und dem Klinikum Schloß Winnenden.

Bewegung und Sport haben schon immer das Leben von Preisträgerin Anja Karlstetter aus Tornesch bestimmt. Mit 40 Jahren erkrankte sie an einer mikroskopischen Polyangiitis. „Als die Ärzte mir in der Klinik dann mitteilten, dass ich aufgrund der Erkrankung meinen Sport und damit auch meinen Beruf an den Nagel hängen könnte, war das ein Schock.“ Eine sehr gute Kollegin, mit der Karlstetter schon lange der Traum einer Selbstständigkeit verband, besuchte sie in dieser schwierigen Zeit regelmäßig im Krankenhaus. Sie versprach, gemeinsam mit ihr diesen Traum zu realisieren. „In dieser sehr verzweifelten Lage hat mir die Vorstellung eines gemeinsamen Fitnessstudios und die große Liebe meiner Familie die Kraft gegeben, wieder auf die Beine zu kommen“, sagt Karlstetter. Auch ihre behandelnde Rheumatologin hatte sie darin bestärkt, den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen. „Diesen September feiert unser Studio ,inBalance‘ 10-Jähriges Jubiläum - und in den letzten Jahren falle ich zum Glück auch kaum mehr aus. Ich unterrichte inzwischen wieder fast alles und bin sehr dankbar dafür“. Das Studio wurde von den beiden Betreiberinnen bewusst gesundheitsorientiert ausgerichtet und ist heute eine Anlaufstelle für Menschen mit rheumatischen Erkrankungen. „Die schwere Erkrankung hat mir die Chance gegeben, meinen Lebenstraum zu erfüllen,“ resümiert Karlstetter. Mehr zur Preisträgerin Anja Karlstetter und ihrem Studio ,inBalance‘.