Stefanie Gerhardt
„Rheuma ist, wenn man trotzdem lacht.“ Dieser Satz kennzeichnet die Lebenseinstellung von Stefanie Gerhardt. Die 24-Jährige Hotelfachfrau aus Titisee im Schwarzwald beschreibt sich selbst als einen lebensfrohen Menschen, der trotz Krankheit nie vergessen hat, das Leben in all seinen Facetten zu lieben. Die Krankheit, von der sie dabei spricht, ist die juvenile ideopathische Polyarthritis – eine chronisch entzündliche Form von Rheuma, die bereits Kinder oder Jugendliche betrifft.
Bei Stefanie Gerhardt begann alles mit 14 Jahren, als sie plötzlich starke Schmerzen im rechten Handgelenk bekam. Nach einer Blutuntersuchung stand die Diagnose „Rheuma“ fest – und eine gezielte Behandlung wurde eingeleitet. Obwohl mit der Zeit weitere Gelenke betroffen waren, lernte Stefanie Gerhardt mit der Erkrankung zu leben. Deshalb ließ sie sich auch nicht von ihrem Berufswunsch „Restaurantfachfrau“ abbringen, als ihre Eltern, die selbst ein Gasthaus betreiben, skeptisch waren, ob sie den hohen Belastungen standhalten kann. „Ich habe die Zähne zusammengebissen, viel aufs Spiel gesetzt und diese Ausbildung mit einigen Hürden gemeistert“, sagt die Schwarzwälderin. Bis es soweit war, musste die 24-Jährige aber auch Rückschläge hinnehmen. Denn als sie während ihrer Ausbildung einen Schub erlitt, ließ das Verständnis ihres damaligen Arbeitgebers nach. Sie musste die Ausbildung nach eineinhalb Jahren abbrechen und den Betrieb verlassen. Gemeinsam mit ihren Eltern suchte sie nach Alternativen und fand schließlich eine naheliegende Lösung: Sie schloss ihre Ausbildung im Betrieb ihrer Eltern ab.
Gesagt, getan. Heute kann Stefanie Gerhardt nicht nur auf eine abgeschlossene Ausbildung als Restaurantfachfrau, sondern auch auf einen zusätzlichen Abschluss als Hotelfachfrau und einige Jahre Berufserfahrung zurückblicken. Sie ist nach einer Station als Rezeptionsleiterin in einem großen Hotel vor kurzem erneut in den familieneigenen Betrieb „Gasthaus Rehwinkel“ mit eingestiegen, wo sie für Reservierungen, die Rezeption und Buchhaltung zuständig ist. Hier bekommt sie die volle Unterstützung ihrer Eltern und ihrer Kollegen. Zum Beispiel wurde der Frühstücksdienst so umgestellt, dass eine Mitarbeiterin schon früher kommt und ihr Handgriffe abnimmt, die die junge Rheuma-Patientin nicht selbst tätigen kann. Wenn schwere Dinge zu tragen sind, übernehmen dies andere für sie. Für Arzttermine und Krankengymnastik wird schnell eine Vertretung gefunden. Berührungsängste von Kollegen sind längst verschwunden und es wird offen mit der Erkrankung umgegangen. „So ist ein Miteinander entstanden, das sicher stellt, dass ich in meinem Traumberuf arbeiten kann. Ein tolles Gefühl!“, findet die Hotelfachfrau. Als nächstes plant sie, ihren Arbeitsplatz ergonomisch einzurichten, wofür sie auch das Preisgeld für den Gewinn des RheumaPreises verwenden möchte.
Auch privat kommt Stefanie Gerhardt mit ihrer Erkrankung gut zurecht. „Es gibt gute und schlechte Tage, aber wer hat die nicht?“ lautet ihre Feststellung. Rückhalt und Unterstützung bekommt sie von ihrem Freund, mit dem sie seit längerem zusammen ist. In ihrer Freizeit engagiert sie sich außerdem ehrenamtlich für die Rheuma-Liga. Als Landesjugendsprecherin von Baden-Württemberg und Gesprächsgruppenleiterin der jungen und junggebliebenen Rheumatiker in Freiburg sieht sie ihre Aufgabe darin, anderen Menschen mit Rheuma Mut zu machen. „Auch aus Steinen, die einem in den Weg gelegt werden, kann man etwas Schönes bauen“ – dieses Motto möchte sie anderen weitergeben.












