RheumaPreis — Aktiv mit Rheuma am Arbeitsplatz

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Steffen Grandetzka


Alter: 26 Jahre
Wohnort: Berlin
Arbeitgeber:  Hennes & Mauritz
Beruf: Verkäufer


„Rheuma – das bekommen doch nur alte Leute“. Das war die erste Reaktion von Steffen Grandetzka, als er im Alter von 20 Jahren von seiner Erkrankung an Morbus Bechterew, einer entzündlich-rheumatischen Erkrankung, erfuhr. Über dieses Erkrankungsbild wusste er bis dahin nichts. Welche schweren Konsequenzen Morbus Bechterew haben kann, wurde dem gelernten Einzelhandelskaufmann erst in der folgenden Zeit bewusst, denn schwere Rückenschmerzen machten ihm seine Arbeit als Verkäufer in einem Radsportgeschäft zunehmend unmöglich. Hinzu kamen Schwierigkeiten mit Vorgesetzten und Kollegen, die nur wenig Verständnis zeigten, als es zu Ausfallzeiten kam. „Rheuma – da bist du ja schon ein Opa“, ist nur ein Beispiel für die Bemerkungen seiner Kollegen, die voller Vorurteile waren, aber wenig Interesse für seine Gesundheit zeigten. Schließlich wurde ihm gekündigt – „betriebsbedingt“, doch Steffen Grandetzka vermutete wohl nicht zu unrecht, als Last gesehen zu werden, die man gerne los sein wollte.

Entmutigen ließ er sich von diesem Rückschlag aber nicht. Er suchte und fand nicht nur schnell eine neue Arbeitsstelle bei einem großen Modeunternehmen, sondern begann außerdem, sein Abitur an einer Abendschule nachzuholen. Bei seinem neuen Arbeitgeber, dem Unternehmen Hennes & Mauritz, verschwieg er seine Erkrankung zunächst – die schlechten Erfahrungen mit seinem früheren Arbeitgeber hatten ihn vorsichtig gemacht. Tapfer versuchte er die Schmerzen zu unterdrücken und nach außen fit und belastbar zu erscheinen. Doch die Krankheit forderte ihren Tribut. Entzündungen in den Kniegelenken kamen hinzu, was bei einem Beruf, der fast ausschließlich im Stehen und Gehen ausgeübt wird, nicht ohne Folgen bleibt. Der Vorgesetzte des Verkäufers wurde schließlich darauf aufmerksam, dass etwas nicht stimmt, und bat ihn zum Gespräch. Nun gab sich Steffen Grandetzka einen Ruck und trat die Flucht nach vorn an: Er informierte seinen Chef umfassend über seine Erkrankung und die damit verbundene Symptomatik. Die Reaktion des Vorgesetzten war diesmal anders: Er zeigte Verständnis und Interesse für die Situation seines Mitarbeiters. Gemeinsam wurden Lösungen gesucht und auch gefunden. Behindertengerechte Tätigkeiten und angepasste Arbeitszeiten ermöglichen es Steffen Grandetzka seitdem, den Arbeitsalltag zu meistern und sein Leistungsniveau zu halten. Sein Studium an der Abendschule, das er Mitte 2009 zu einem erfolgreichen Abschluss brachte, wurde ebenfalls aktiv gefördert. Auch die Kollegen, einmal informiert, behandeln ihren rheumakranken Kollegen als vollwertigen Mitarbeiter und nehmen Rücksicht auf seine besondere Situation. Gesundheitlich brachte die Umstellung auf ein neues Medikament schließlich eine deutliche Besserung.

„Das passt doch genau auf Sie“. Mit diesen Worten machte sein behandelnder Arzt Steffen Grandetzka Anfang des Jahres auf den RheumaPreis aufmerksam. Klar, dass der Einzelhandelskaufmann sich bewarb. „Andere Unternehmen sollen erfahren, dass Rheumakranke dem Unternehmen nicht schaden, sondern gute Arbeit leisten, wenn man etwas auf sie eingeht“, lautete seine Motivation zur Teilnahme. Sein Rat für andere Menschen mit Rheuma: „Immer offen mit dem Chef und den Kollegen reden, erklären, warum es einem manchmal nicht so gut geht“. Diese Einstellung und Motivation beeindruckte auch die Jury – der Gewinn des RheumaPreises war ihm sicher.

Vom erhaltenen Preisgeld will Steffen Grandetzka erst einmal mit seiner Freundin in den Urlaub fahren. Danach wird er an seinem nächsten beruflichen Ziel arbeiten: Er möchte Abteilungsleiter werden und beginnt dazu im kommenden Jahr eine interne Einarbeitung. Erfolg und Karriere sind also möglich – auch mit Rheuma.

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