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Rheuma – ein Name, viele Erkrankungen

„Rheuma“ ist ein Oberbegriff für mehr als 100 verschiedene Erkrankungen. Sie betreffen vorwiegend den Bewegungsapparat, also die Knochen, Gelenke und die Wirbelsäule sowie die damit verbundenen Muskeln, Sehnen und Bänder. Bei einigen Formen können auch Organe wie Haut, Herz, Lunge, Nieren oder die Augen sowie das Nervensystem betroffen sein.

Zu den häufigsten entzündlich-rheumatischen Erkrankungen gehören die rheumatoide Arthritis, der Morbus Bechterew und die Psoriasis-Arthritis. Im Gegensatz zu den verschleißbedingten Krankheiten (Arthrose) handelt es sich hierbei um Erkrankungen, die durch eine Fehlfunktion des Immunsystems entstehen. Ebenfalls zu dieser Gruppe zählen die kindliche Form der rheumatoiden Arthritis (juvenile idiopathische Arthritis) sowie Bindegewebsentzündungen (Kollagenosen) wie Lupus erythematodes und Sklerodermie bzw. Gefäßentzündungen (Immunvaskulitiden). Aufgrund der oft unspezifischen Symptome werden bei vielen Patienten entzündlich-rheumatische Erkrankungen erst spät diagnostiziert. Eine frühe Behandlung ist jedoch wichtig, um irreparable Gelenkschäden zu verhindern.

Im Folgenden sollen die häufigsten Formen entzündlich-rheumatischer Erkrankungen kurz vorgestellt werden:

Rheumatoide Arthritis (RA)

An rheumatoider Arthritis, häufig auch als chronische Polyarthritis bezeichnet, sind in Deutschland etwa 440.000 Menschen erkrankt. Eine Fehlsteuerung des Immunsystems bewirkt eine chronische Entzündung der Gelenkinnenhaut, die sich in Schwellungen, Überwärmung und Funktionseinschränkung äußert. Unbehandelt führt dieser Prozess zur Zerstörung von Knorpel und Knochen des Gelenks. Die RA tritt meist erstmals im Alter von 30 bis 50 Jahren auf, der Erkrankungsgipfel liegt zwischen dem 50. und 70. Lebensjahr. In 75 Prozent der Fälle sind Frauen betroffen.

Auch Kinder und Jugendliche können erkranken. Neun von zehn Patienten weisen zwei Jahre nach der Diagnosestellung bereits irreparable Gelenkschäden auf. Die resultierenden Funktionseinschränkungen können dazu führen, dass ganz alltägliche Dinge wie Haare kämmen oder Flaschen öffnen zum Problem werden können. Die zunehmende Behinderung trägt entscheidend dazu bei, dass circa 20 Prozent der Betroffenen nach drei Jahren ihren Beruf nicht mehr ausüben. Nach über zehn Jahren Erkrankungsdauer beziehen 40 Prozent der Betroffenen im erwerbsfähigen Alter eine Erwerbsminderungsrente.

Erste unspezifische Anzeichen der Erkrankung können eine allgemeine Abgeschlagenheit oder grippeähnliche Symptome sein. Typisch für eine RA sind eine mehr als 30 Minuten andauernde Steifigkeit der Gelenke am Morgen sowie der symmetrische Befall, d. h. auf beiden Körperseiten sind die gleichen Gelenke betroffen. Meist handelt es sich hierbei um die kleinen Gelenke der Finger und Zehen, wobei häufig auch die Sehnen und Bänder in Mitleidenschaft gezogen werden. Größere Gelenke wie Knie oder Ellenbogen sind seltener betroffen. In manchen Fällen können Augen, Gefäße und innere Organe beteiligt sein. Bei schmerzenden und geschwollenen Gelenken über Wochen sollten Betroffene in jedem Fall einen Arzt aufsuchen.

Morbus Bechterew (Ankylosierende Spondylitis)

In Deutschland leben rund 340.000 Menschen mit einem Morbus Bechterew. Es handelt sich um eine chronisch-entzündliche Erkrankung, die zu einer fortschreitenden Verknöcherung der Kreuzdarmbeingelenke und der Wirbelsäule führt, die hierdurch versteifen. Neben dem Achsenskelett können die Entzündungen auch periphere Gelenke (z. B. Knie, Hüfte) und andere Organe betreffen wie Augen, Sehnen, Haut und Darm. Der Morbus Bechterew tritt meist zwischen dem 16. und 30. Lebensjahr auf und verläuft schubweise. Männer scheinen etwas häufiger betroffen zu sein als Frauen. Die Erkrankung kann sehr unterschiedlich verlaufen und muss nicht zwangsläufig zu Funktionseinschränkungen führen. Neun von zehn Bechterew-Patienten sind auch nach langjähriger Erkrankung nicht auf fremde Hilfe angewiesen.

Die Symptome eines Morbus Bechterew können im Frühstadium unspezifisch sein, was dazu beiträgt, dass die Diagnose im Durchschnitt erst fünf bis zehn Jahre nach den ersten Anzeichen gestellt wird. Typische Symptome sind tief sitzende Kreuzschmerzen über mehr als drei Monate, die mit Bewegungseinschränkungen in der Lendenwirbelsäule einhergehen können. Ebenfalls charakteristisch sind Steifigkeit und Schmerzen in der zweiten Nachthälfte und am Morgen sowie eine Besserung der Beschwerden durch Bewegung.

Psoriasis-Arthritis (PsA)

Die PsA ist eine Erkrankung, die durch die Hauterkrankung Schuppenflechte (Psoriasis) in Kombination mit einer Gelenkentzündung (Arthritis) gekennzeichnet ist. Hierbei handelt es sich um eine chronisch-entzündliche Erkrankung, bei der sich das fehlgesteuerte Immunsystem gegen eigenes Gewebe der Haut und der Gelenke richtet. Im Falle der Haut kommt es zu einer übersteigerten Vermehrung der Epidermiszellen, was zur Ausbildung verdickter, schuppiger Areale (Plaques) führt. Der Mechanismus der Gelenkentzündung ist ähnlich dem der rheumatoiden Arthritis. Bei PsA sind allerdings zumeist andere Gelenke und auch die Wirbelsäule betroffen. Häufig gehen die Hautsymptome der Gelenkentzündung um Jahre voraus. Bis zu 30 Prozent der Psoriasis-Patienten entwickeln eine Psoriasis-Arthritis, d. h. in Deutschland sind dies ca. 135.000 Menschen. PsA tritt zumeist im Alter zwischen 30 und 50 Jahren erstmals auf, Männer und Frauen erkranken etwa in gleicher Häufigkeit. Durch die Hautsymptome fühlen sich viele Patienten psychisch belastet und ziehen sich zurück.

Auf Grund ihrer vielfältigen Symptome ist die PsA im Frühstadium zuweilen schwer diagnostizierbar. Häufig sind zu Beginn nur einzelne oder wenige Gelenke entzündet. Charakteristisch für die Erkrankung sind die wurstartigen Verformungen von Fingern oder Zehen, die durch die gleichzeitige Schwellung aller Gelenke und die Weichteilgewebes der betroffenen Gliedmaßen entstehen. Ein Großteil der Patienten weist zudem psoriatische Veränderungen der Nägel auf, die sich in Verfärbungen oder stecknadelkopfgroßen Vertiefungen äußern („Ölnägel“, „Tüpfelnägel“).

Systemischer Lupus Erythematodes (SLE)

SLE ist eine systemische Autoimmunerkrankung, die zu den so genannten Kollagenosen (Bindegewebserkrankungen) zählt. Aus noch ungeklärter Ursache greift dabei das Immunsystem Strukturen des eigenen Körpers an, wodurch es zu Hautveränderungen sowie Entzündungen von Gelenken und inneren Organen kommen kann.
Laut Schätzungen leiden in Deutschland etwa 40.000 Menschen an SLE. Die Erkrankung bricht meist im jungen Erwachsenenalter aus, Frauen sind dabei deutlich häufiger betroffen als Männer. Typisch für SLE sind schmetterlingsförmige Rötungen auf den Wangen und dem Nasenrücken, die oft in Zusammenhang mit Sonnenbestrahlung auftreten. Häufig kommt es außerdem zu rheumatischen Beschwerden wie Gelenkentzündungen mit Gelenkschmerzen und –schwellungen, von denen vor allem Finger-, Hand- und Kniegelenke betroffen sind. Wie beim entzündlichen Rheuma leiden die Erkrankten vor allem morgens unter Gelenkbeschwerden. Der Gelenkbefall führt beim SLE anders als bei der rheumatoiden Arthritis jedoch nicht zu einer Zerstörung der Gelenke. Als weitere Symptome können Entzündungen an inneren Organen auftreten, z.B. an Herz, Lunge, Niere und Hirn. Die Erkrankung kann sowohl schleichend als auch in schweren Schüben verlaufen.

Weitere Informationen:


www.dgrh.de – Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie e.V.
www.rheuma-liga.de – Bundesverband Deutsche Rheuma-Liga e.V.



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